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Authentisches Bodenpersonal, Begeisterung für den Glauben

Statements von Teilnehmern zur Exkursion nach Süddeutschland
Authentisches Bodenpersonal, Begeisterung für den Glauben
Authentisches Bodenpersonal, Begeisterung für den Glauben
© H.Wustmans/Bistum Limburg

Die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit hat nach der Exkursion nach Süddeutschland Teilnehmer nach ihren Eindrücken gefragt. Wir dokumentieren hier verschiedene Statements. Bitte klicken Sie auf den jeweiligen Namen. 

 

Was mir gefallen hat: Die Bandbreite der besuchten Menschen und Orte war sehr groß und eine gewisse Spannung musste man aushalten können. Die Gesprächspartner aus den besuchten Pfarrgemeinden haben offen ihre Erfahrungen geschildert. Schwierigkeiten wurden nicht ausgeblendet. Im Kontrast hierzu ging es im Gebetshaus in Augsburg oder bei ICF um Erfolg und „Leadership“. Auch wenn mir die Sprache dort mit vielen Worthülsen in englischer Sprache  gekünstelt vorkam, so sind die Ziele, die sich auch auf den Wänden wiederfanden, sehr klar: Es geht um Jüngerschaft- und darum, für Jesus zu brennen!

Was ich gelernt habe und verändern möchte: Deutlich Profil zeigen - mit Glauben. Es zieht Menschen an, wenn man anderen seinen Glauben zumutet und beispielsweise das Gebet, das für uns so einfach und selbstverständlich sein sollte, öffentlich in den Mittelpunkt rückt. Der Anspruch an das Glaubensleben in der Pfarrgemeinde, also „nach innen“ und an mich persönlich, muss steigen, damit wir Menschen zu einem Leben mit Jesus Christus einladen und nicht nur zu einem Konzert in unserer Kirche.

Beeindruckt hat mich die große Professionalität und Ästhetik, die bei den neuen „Formaten“ im Gebetshaus und bei der Celebration der ICF, geboten wird. Eine große Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion ist hauptamtlich für die Kirche tätig. Ich werde bei der Reflexion offen ansprechen, wie wir in den Pfarrgemeinden Unterstützung erhalten können.

 

Besonders gefallen hat mir das Gebetshaus in Augsburg. Musikalisch und sehr individuell gestaltet,  wird dort 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche gebetet. Das kann sicher nur in solch einem Gebetshaus getan werden. Mir würde es gefallen, das Beten viel mehr in den Vordergrund zu holen. Es kommt oft nur verstaubt als Rosenkranzbeten oder verpflichtend in Tagen des Gebets in unseren Kirchorten vor. Aber Spiritualität, also gelebte Gottesbeziehung im Gebet, erfährt der Katholik in seiner Kirchengemeinde eher selten. Beim Besuch der drei Pfarreien Münchens finde ich meine Meinung bestärkt, dass die Außenwirkung von katholischer Kirche dort positiv ist, wo auch ihr Bodenpersonal wahrhaft und authentisch ist. Wo sich mit Engagement und Liebe zum Beruf und den Menschen eingesetzt wird, da ist Kirche spürbar und bleibt es auch.

 

Es hat mich fasziniert, zu erleben, wie selbstverständlich die meisten unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner von ihrem Glauben erzählt haben - der für sie das Fundament ist, auf dem sie arbeiten und leben. Das prägt die Ausrichtung ihrer Arbeit: Sie gehen dahin, wo die Menschen sind. Ein weiterer Klick-Moment, der Vielfalt gezeigt hat, war das Bibelteilen. Im biblischen Text ging es um Menschen und deren Haltungen, die mit einem „und“ miteinander verbunden wurden. Und - und - und. Mir ist da noch einmal neu aufgegangen, dass es dieses „und“ in der Form von Kirche und Gemeinschaft braucht. Ich persönlich muss nicht alles mögen, aber für andere ist es richtig den Glauben auf diese Weise zu leben. Das bedeutet nicht, dass Fragezeichen nicht ihren Platz haben sollten.

Fasziniert hat mich in München Giesing, wie integriert die Pfarrei in ihrem Stadtteil ist. Sie ist ein Player von vielen im Netzwerk des Stadtteils. Und das ist gut so, denn alle wollen für die Menschen im Stadtteil da sein. Da liegt nichts näher als zu schauen, welche Akteurinnen und Akteure im Netzwerk da sind, was ihre Stärken sind und wie man sich mit ihnen weiter vernetzen kann. Es ist großartig, wie selbstverständlich das in Giesing funktioniert!

Die meisten unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner haben außerdem von Haltungen gesprochen. Warum tun wir, was wir tun? Kommt das auch in unserem Beten vor? Für wen ist Kirche da? Und wie? Wenn ich mir diese Fragen immer wieder stelle, bekommt meine konkrete Arbeit, meine Begegnung mit Menschen und mein Planen ein ganz anderes Vorzeichen. Das führt dann unter anderem auch dazu, dass mein Angebot von vorne bis hinten durchgestylt ist - von Flyern über Kaffee bis hin zur Ausgestaltung von Räumen, sodass die Menschen nicht nur gerne kommen, sondern sich auch zuhause fühlen. Da ist dann ein Mehr drin - es ist ganz spürbar nicht nur ein Event, ein Ritual oder eine Veranstaltung aus guten Gründen, sondern es ist geprägt von Liebe, Sehnsucht, Gottesbeziehung und Leidenschaft. Für ihre Sache brennende Referentinnen und Referenten, Predigerinnen und Prediger, die an besonderen Locations einfach da sind - das wünsche ich mir auch. Warum dann nicht auch anderen anbieten - mit anderen zusammen?

Am besten gefallen haben mir die vielen begeisterten Menschen, die wir getroffen haben. Bei ihnen habe ich sofort die Freude am Glauben gespürt. Auf ganz verschiedene Weisen: in der Anbetung und der dazu passenden eigenen Musik in Augsburg, im sozialen Engagement im Stadtviertel in Giesing, in der klaren Predigt bei der ICF in München. Und gleichzeitig ist mir das auch als Problem aufgefallen, auch und gerade für uns. Es hängt sehr – vielleicht zu sehr - an einzelnen Personen. In den Gemeinden der Bistümer sind selbst gutwillige Engagierte massiv gebremst durch die mächtigen Strukturen. Und die Diskussion über sie. Da kommen nur sehr starke Persönlichkeiten mit neuen Ideen durch. In den freien Organisationen hingegen geht alle Kraft in das Wort Jesu und den Glauben an ihn. Das macht Freude, das ließ mich gerne mitfeiern und beten. Und es hat mir neue Hoffnung geschenkt, dass die Kirche Jesu weiterlebt.

 

Besonders beeindruckt hat mich der Besuch des Stadtteilladens in München-Giesing. Hier haben drei Menschen, die kirchenfremd waren, sehr positiv von der katholischen Kirche gesprochen. Sie haben betont, dass das Thema Missbrauch nicht über allem stehen sollte und dabei nicht vergessen werden darf, was die katholische Kirche in Giesing alles Gutes, besonders im karitativen Bereich, leistet. Ein weiterer Eindruck, der in vielen Gesprächen immer wieder aufgegriffen wurde, war die Offenheit, „Neues“ auszuprobieren. Dazu gehört auch der Mut, „Altbewährtes“ aufzugeben. Aufgefallen ist mir, dass wir in unserem Bistum schon viele innovative Projekte haben. Leider kennen diese nur wenige. Hier sollten wir uns noch mehr vernetzen. Damit die vielen Eindrücke der Exkursion nicht nur in unseren Köpfen bleiben, ist es wichtig, dass wir im Rahmen der Reflexion ein Format finden, damit möglichst viele Menschen an unseren Erfahrungen teilhaben.

 

ZU DER EXKURSION

Vom 14. bis 17. März reiste eine Gruppe aus dem Bistum Limburg nach Süddeutschland ins Bistum Augsburg und das Erzbistum München Freising. Die Exkursion war die erste von insgesamt sechs, die das Bistum Limburg als Entdeckungs- und Erfahrungsreise zum Prozess der Kirchenentwicklung 2019 durchführt. Am Donnerstag, 14. März, reiste das Team aus ehren- und hauptamtlichen Teilnehmern nach Augsburg und besuchten das Gebetshaus Augsburg. Am Freitag, 15. März, ging es weiter nach München. Dort besuchten die Teilnehmer das Gemeindezentrum St. Markus, wo Kirche in einem neuen Stadtteil mit bis zu 25.000 Menschen entstehen soll. Die Besucher aus dem Bistum Limburg informierten sich auch über das sozialräumliche Arbeiten in München-Giesing. Nach dem Besuch im Pfarrverband Isarvorstadt am Samstag, 16. März, erlebten die Limburger am Sonntag, 17. März, auch eine Celebration der freikirchlichen ICF Church.