Tabgha, Taufe, Texte


Fünf Brote und zwei Fische, die Taufe im Jordan und der Ausgangspunkt des Wirkens Jesu rund um den See: Das sind einige Szenen aus der Bibel rund um den See Genezareth. Geschichten, denen die 42 Exkursionsteilnehmer zu Beginn ihrer Reise durch Israel nachspüren und im Kontext der Kirchenentwicklung reflektieren. Sie sind seit Montag, 25. März, im Heiligen Land unterwegs. Zehn Tage dauert ihre Reise. Die ersten Tage verbrachten sie am See Genezareth.
Mit der Fragestellung, wie die biblischen Texte für die konkrete Kirchenentwicklung zuhause, im Bistum Limburg, gedeutet werden können, sind die Teilnehmer der Exkursion unterwegs. Die ersten Tage am See waren vor allem von der Arbeit mit der Bibel und drei zentralen Aspekten des Christseins geprägt. Am ersten Tag ging es um die Eucharistie, am zweiten Tag um die Taufe und am dritten Tag stand der Glaube an sich im Zentrum.
Fünf Brote und zwei Fische für 5.000?
Um sich dem Thema Ressourcen und der Eucharistie zu nähern, besuchten die Teilnehmer die Brotvermehrungskirche. Rund um diesen Platz sollen 5.000 Männer zusammengekommen sein, um Jesus zuzuhören. Am Abend mussten diese verköstigt werden, jedoch hatte ein kleiner Junge nur fünf Brote und zwei Fische zum Teilen. Trotzdem wurden alle satt. Aus wenig Ressource wurde mit Gottvertrauen genügend für alle, heißt es in der Bibel. In den Teams aus den verschiedenen Ecken des Bistums besprachen die Teilnehmer diese Bibelstelle und deuteten sie für ihre Arbeit. Pfarrer Armin Sturm wurde dabei vor allem eines bewusst: „Es ist wichtig, auf das Kleine und Geringe zu achten. Im übertragenen Sinn vielleicht auch auf Menschen, die am Rand stehen, die keine Lobby haben. Diese auch mit in den Blick zu nehmen.“
Zudem begegnete die Gruppe Benediktinerpater Jonas. Er begrüßt an der Brotvermehrungskirche täglich mehrere hundert bis tausend Pilger. „Im Sommer waren hier pro Tag sogar 100 Busse“, erzählte er. Gerade für ein Land mit so vielen Unruhen sei dies ein wichtiges Zeichen. „Wir geben die Hoffnung auf Frieden nicht auf.“ Auf dem Vorplatz der Kirche ist Raum für Begegnungen. „Die Leute sollen sich sehen, sollen sich begegnen“, sagt der Pater. „Das ist unsere Aufgabe. Menschen zusammenzubringen. Wir sehen uns als einen Teil eines Mosaiks.“

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Tauferneuerung: An dir hat Gott gefallen gefunden
Mit der Taufe werden Menschen in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen. Sie ist das Sakrament, das die Zugehörigkeit zu Christus symbolisiert. Jesus hat sich, laut Bibel, am Jordan von Johannes taufen lassen. Als sichtbares Zeichen haben auch die Teilnehmer ihre Taufe erneuert. Mit dem Zuspruch „Du bist Gottes geliebtes Kind. An dir hat er gefallen gefunden“, segneten sich die Teilnehmer gegenseitig mit Jordanwasser. Jesuitenpater Wendelin Köster stellte dabei heraus, dass Jesus wie eine Wasserquelle sei. „Mit der Taufe sind wir an eine Wasserquelle angeschlossen. Wir dürfen daran teilhaben, aber wir entscheiden, ob wir das nutzen“, sagte der Pater. „Durch die Taufe haben wir kein Privileg. Es geht vielmehr darum, was man tut. Egal ob getauft oder nicht.“ Christen seien dazu berufen, ihre Fähigkeiten und Talente zum Wohl der Gemeinschaft einzubringen.
Gerade die Aussage, dass mit der Taufe kein Privileg verbunden sei, sondern das Tun im Mittelpunkt stehe, war für Romessa Bhatti von der Familienbildungsstätte in Frankfurt besonders. Sie leistet einen Bundesfreiwilligendienst in Frankfurt und ist Muslima. Die Tauferneuerung stellte sie vor eine besondere Herausforderung. „Ich wusste am Anfang nicht, ob ich mich dazustellen sollte, ob das überhaupt erwünscht ist“, sagte Bhatti. „Aber wir haben eine gute Lösung gefunden. Meine Zimmerpartnerin Sigrid hat mir Jordanwasser auf die Hand geträufelt, weil es bei uns so ist, dass man sich vor dem Beten wäscht und dabei ein kleines Gebet spricht, dass uns auch von innen reinigen soll. Deshalb hat sie mir das Wasser in die Hand gegeben. Das fand ich schön.“
Die Stadt Jesu
Der dritte Tag führte die Teilnehmer nach Kafarnaum, „die Stadt Jesu“, der Ausgangspunkt für Jesu Wirken am See. Zentral in der Betrachtung war eine Bibelstelle, in der von einer Heilung eines Dieners die Rede ist. Der Chef des Dieners ist laut Text ein heidnischer Hauptmann, der um die Hilfe Jesu bittet. Der Diener wurde daraufhin geheilt. Im Text lautet die Begründung: „Einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden.“
„Es stellt sich die Frage, bei wem wir Glauben finden und was dieser Glaube überhaupt ist“, sagte Kevin Herrmann aus der Pfarrei St. Jakobus in Frankfurt, nach einer Diskussion in der Kleingruppe. Die Leitungsteam der Reise stellte dann die Frage nach einer Betriebsblindheit in der Kirche und wie diese überwunden werden könne. „Diese Betriebsblindheit müssen wir als erstes erkennen“, sagte Herrmann. „Das ist der erste Schritt. Erst dann kann es weitergehen.“ Für Dietmar Wittenstein aus der Pfarrei St. Martin Lahnstein ist nicht der Ort, wo Kirche stattfindet, wichtig, sondern vielmehr die Botschaft.
Die Tage am See Genezareth schloss die Gruppe mit einem gemeinsamen Gottesdienst am Seeufer ab.
Die Reise führt die Teilnehmer noch nach Nablus, Jericho und Jerusalem - aber vor allem zu Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Am Mittwoch, 3. April, kehrt die Gruppe nach Deutschland zurück.
Die Israelreise ist die zweite von sechs Exkursionen zum Prozess der Kirchenentwicklung, mit denen das Bistum Limburg 2019 neue Projekte und kirchliches Leben in der ganzen Welt erkunden will. Neben Israel stehen noch Reisen zu Projekten in anderen deutschen Bistümern, nach Frankreich, Großbritannien und auf die Philippinen auf dem Programm. Die Reisegruppen bestehen aus Teams von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern aus Pfarreien, Verbänden, Einrichtungen und verschiedenen Arbeitsfeldern von Seelsorge. Ziel der Exkursionen ist, inspirierende Erfahrungen zu ermöglichen und Handlungsoptionen für die weitere Entwicklung der Kirche im Bistum Limburg zu gewinnen.
Weitere Informationen und alle Beiträge zu den Exkursionen unter www.exkursionen.bistumlimburg.de