Fresh expressions of church


Auf dem Programm der Exkursion nach England stehen neben innovativen Projekten und Gemeindeformen auch die Teilnahme an besonderen Gottesdiensten sowie Gespräche mit katholischen und anglikanischen Kirchenvertretern. Darüber hinaus informieren sich die Exkursionsteilnehmer auch über missionarische Programme und Ausbildungsstätten der anglikanischen Kirche. In einem Reisetagebuch schildern Teilnehmer Ihre Erfahrungen. Außerdem finden Sie Impressionen aus London.
19. Oktober - Europa-Begeisterung in London
Kurz nach ihrer Ankunft im Wynfried-Haus, dem Gästehaus der deutschsprachigen Gemeinde St. Bonifatius in London im Stadtviertel Whitechapel, stürzten sich die Exkursionsteilnehmer in das Großstadtleben und erkundeten London. Am Abend besuchte die Gruppe gemeinsam den Gottesdienst in Westminister Cathedral, der katholischen Hauptkirche London. Unübersehbar an diesem Tag: Demonstranten, die sich gegen den Brexit, für ein Bleiben in der Europäischen Union ausgesprochen haben und ein zweites Referendum forderten. Mehrere Hunderttausend sollen laut Medienberichten an Kundgebungen im Stadtgebiet teilgenommen haben. In der britischen Hauptstadt waren Europaflaggen – besonders entlang der Themse – überall zu sehen.

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19. Oktober - Erwartungen
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Hier erzählen einige Teilnehmer von ihren Erwartungen an die Exkursion.
20. Oktober - Gottesdienste feiern
Gottesdienst feiern - wie geht das in verschiedenen anglikanischen und freien Gemeinden in London? Diese Frage stand am Sonntag, 20. Oktober, im Mittelpunkt. Die Kundschafter teilte sich am Vormittag auf und sammelte gleich an drei Orten Eindrücke. Die größte Gruppe nahm an einem Gottesdienst der Hillsong-Church im Dominion Theatre teil, eine kleine Gruppe besuchte die FreshX St. Lukes in Walthamstow. Eine weitere Gruppe besucht den Gottesdienst der Holy Trinity Church Brompton. Am Nachmittag und Abend standen nach zwei Vorträgen von Ian Moabsby über die Grundlagen von FreshX sowie FreshX und neue monastische Gemeinschaften auf dem Programm. Am Abend besuchte die Gruppe das Abendgebet der Wellspring Community.
Ein Gespräch über Liturgie, Predigt und Theologie bei Burger und Pommes: Angeregt diskutieren 10 Kundschafter in der Ecke eines Burger-Restaurants, was ihnen am Gottesdienst der Hillsong-Church gefallen hat und was nicht. Mit vielen Eindrücken waren sie kurz zuvor aus dem Dominion Theatre nur wenige hundert Meter entfernt gekommen, wo die in Australien 1983 gegründete freikirchliche Megachurch ihre Gottesdienste feierte. Über 2000 Menschen haben den Gottesdienst mitgefeiert.
Als die Band mit Worship-Musik den Gottesdienst eröffnet, vibriert der Boden. Viele der überwiegend jungen Leute singen mit, schließen die Augen und bewegen sich rhythmisch zur Musik. Die Musiker gestalten eine bühnenreife Performance mit einer professionell umgesetzten Dramaturgie. Laute und leise Lieder wechseln sich miteinander ab. Alles läuft auf die Predigt zu. Die dauert mehr als eine Stunde. Dennoch hören die jungen Menschen dem in sportlichen Schuhen und legeren Sakko gekleideten Pastor gebannt zu. "Mir hat es richtig gut gefallen. Das ist das, was ich schon in Amerika kenngelernt habe", erzählt Anna Langer begeistert. Andere sind kritisch: Die Predigt sei zu lange gewesen und theologisch eher oberflächlich geblieben. "Das ist eben etwas anderes", findet Pfarrer Markus Fischer. Zugänge zum Glauben seien verschieden. Ihm habe gefallen, dass der Gottesdienst Glaubenszeugnisse junger Menschen Raum gebe. In Bornheim habe er zuletzt auch einen Christen aus der Gemeinde um ein Zeugnis gebeten. Doch insgesamt sei das noch sehr selten im katholischen Gottesdienst.

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20. Oktober - Interview St Luke's in Walthamstow
Herr Geller, Sie haben heute im Londoner Stadtteil Walthamstow die Gemeinde St. Lukes besucht. Wie hat diese Gruppe Gottesdienst gefeiert?
Wir sind angekommen und haben erstmal nichts gefunden. Die Bücherei, wo sich die Leute treffen, war leer. Wir wurden in ein Café geschickt, das sich als Döner-Bude herausstellte. Dort haben wir zunächst niemanden gefunden: Es saß eine kleine Gruppe von Menschen da, die einfach miteinander gesprochen haben. Wir wurden eingeladen Platz zu nehmen. Dann haben sie uns erklärt, was sie da machen. Sie treffen sich dort zum Lesen einer Bibelstelle, reden darüber und tauschen sich aus, was sie in der Woche erlebt haben und frühstücken dann mit Gästen, die rundherum sitzen.
Wie hat das für Sie gewirkt?
Im ersten Moment war das völlig fremd, in einer Dönerbude Gottesdienst feiern und sich über Bibel und Glaube austauschen. Im Nachhinein war es aber für mich sehr lebendig und authentisch. Sie waren einfach dort, wo die Menschen waren. Man muss wissen, dass die Gegend als sozialer Brennpunkt gilt. Für mich war besonders beindruckend: Neben mir wurde ein kleiner Junge gesegnet, der seinen Großvater verloren hatte. Er suchte Halt und brauchte Familie. Und diese Familie wurde ihm hier geboten.
Was haben Sie anschließend erlebt?
Nach dem kleinen Gottesdienst sind wir auf den Farmers Markt gegangen. Dort steht ein einfacher Pavillon, eine Kaffeemaschine, es gibt Kuchen und vier einfache Tische mit Plastikstühlen. Dort konnte man sich hinsetzen und bei einem Kaffee mit den Leuten reden. Was die Gruppe hier tut: Sie sind einfach da und nehmen Kontakt mit den Menschen auf. Sie sind auf dem Markt, weil die Gruppe keine eigene Kirche mehr hat. Kontaktaufnehmen heißt, dass sie mit den Leuten reden, sie machen keine Sozialarbeit und helfen beispielsweise bei Behördengängen. Sie ermutigen die Leute, eigene Stärken und Quellen wahrzunehmen. Fester Bestandteil ist außerdem am Ende die Frage: Dürfen wir miteinander beten?
Diese fresh expressions hat so gesehen einen spirituellen Schwerpunkt?
Von der Grundhaltung der Leute, ja. Schaut man von außen darauf, nein. Es ist einfach ein Marktstand, wo es Kaffee gibt und man sich hinsetzen und quatschen kann. Die Gruppe versteht es aber als spirituelles Angebot: Eine Frau aus der Gruppe, Helen, hat mir das erklärt: „Jesus hat gesagt: Geht hinaus in alle Welt. Und das ist unsere Welt. Und so verstehen wir unseren Auftrag in der Welt zu sein und Christ in der Welt zu sein und als Christ – was können wir besseres? – mit den Leuten gemeinsam zu beten.“
Haben Sie noch etwas von dieser fresh expressions gelernt?
Ich habe gelernt, dass es erstens keine großen Dinge braucht und nicht viel Geld. Es geht auch einfach. Und das zweite, was ich gelernt habe: Sie sind einfach da und haben Kontakt zu den Leuten, die da sind. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es ist sehr uneitel, sehr einfach in der Sprache und in den Gesten. Es ist eine Tasse Kaffee oder Tee aus dem Verständnis heraus: „Wir haben keine eigene Kirche mehr. Deshalb sind wir dort, wo die Menschen sind. Und das ist in Waltham der Marktplatz.“
Stephan Geller ist Bezirksreferent in den katholischen Bezirken Westerwald und Rhein-Lahn.

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20.Oktober - Gottesdienst der Hillsong-Church
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Die Hillsong-Church wurde in Australien gegründet und ist mittlerweile global vertreten. In London locken sie mit ihrem Gottesdienst Sonntag für Sonntag 8000 Menschen in das Dominion Theatre, einem Musical-Theater. (Video: M. Goßmann BDKJ)
21. Oktober - Besuch der Church Mission Society in Oxford
Die Church Mission Society in Oxford ist eine Art Ausbildungseinrichtung für "fresh expressions of church". Sie bietet eine Pionierausbildung für Engagierte an. Mit Matthias Cameran aus dem Bischöflichen Ordinariat haben wir über den Tag in Oxford und seine Eindrücke von der CMS gesprochen.
Lieber Herr Cameran, Sie haben in Oxford eine Einrichtung der Church Mission Society (CMS) besucht, die dort seit 20 Jahren existiert. An wen richtet sich das Angebot der CMS?
An Ehrenamtlichen allen Alters, die bereits als sogenannte Pioniere in ihren sozialen Lebenszusammenhängen tätig sind, um ihr Praxishandeln theologisch zu reflektieren.
Die Church Mission Society gibt es bereits seit mehr als 220 Jahren. Wie hat sich die Zielsetzung im Laufe der Zeit verändert?
Sehr stark. Für Cathy Ross, die Direktorin von CMS, meint Mission heute nicht mehr „from the West to the rest“, also ein Verständnis, dass der Westen den Rest der Welt missioniert. CMS war ja früher vor allem in Afrika tätig. Die CMS schaut jetzt darauf, wo in Großbritannien selbst Felder missionarischer Arbeit sind.
Wie ist die Ausbildung bzw. das Studium aufgebaut?
Man kann Bachelor und Master-Abschlüsse machen. Die CMS ist anerkannte Ausbildungseinrichtung der „Church of England“, deshalb werden Zertifikate auch von der anglikanischen Kirche anerkannt. Wir haben an einem Einsteiger-Kurs für Studienanfänger teilgenommen. Der Kurs war sehr erfahrungsbasiert. Die Leute werden dort abgeholt, wo sie stehen. Das unterscheidet sich von einem klassisch wissenschaftlichen Studium, wo deduktiv nach einem Fächerkanon vorgegangen wird. Die Inhalte des Studiums sind aber – so die Direktorin - durchaus mit denen vergleichbar, die man mit einer klassischen theologischen Ausbildung von Kirchengeschichte über systematischer und praktischer Theologie lernt.
Was hat Ihnen beim Besuch der CMS gefallen?
Gefallen hat mir besonders die Gastfreundschaft. Wir wurden mit offenen Armen empfangen. Kritische Nachfragen unsererseits wurden gerne gesehen. Es entwickelten sich deshalb auch sehr spannende Gespräche. Sie waren außerdem sehr empathisch: Dass es bei uns Irritationen oder Widerstände gab, war für sie nachvollziehbar. Beeindruckend fand ich auch, dass wir dort Dinge wiederentdeckt haben, die in der katholischen Kirche aus dem Blick geraten oder kaum noch eine Rolle spielen. Ein Beispiel: Die Leistung der Pioniere besteht für mich besonders darin, sich an ihrem Einsatzort oder Brennpunkt zu inkulturieren. Sie schauen auf die Menschen und kulturelle Codes. Diese Form der Inkulturation gibt es auch bei uns in der Missionsarbeit.
Sie haben verschiedene Beispiele von Pionierarbeit kennengelernt. Was waren das für Projekte?
Ein Pionier hat zum Beispiel in Zusammenarbeit mit Stadt und für den Stadtteil eine besondere Aktion initiiert. In der Gegend gab es viele Gewalttaten und Messerstechereien. Die Stadtverwaltung hat also eine Box aufgestellt, wo Jugendliche Messer abgeben konnten und sich nicht gleichzeitig offenbaren mussten. Aus den Messern wurde eine Kunstinstallation gemacht, einen Engel aus Messern. Aus Waffen wurde so ein religiöses Symbol, das nun bei Besuchen etwa in Schulen auch genutzt wird. Das hat die Jugendlichen auch stolz gemacht.
Ein anderes Projekt war ein fahrendes Nagelstudio. Eine Dame, die ein Nagelstudio betreibt, hat sich einen Bus gekauft, ist damit an Schulen gefahren und hat dort die Nägel der Jugendlichen gemacht. Sie wollte mit ihnen ins Gespräch kommen über ihre Lebenswelt mit ihren Problemen wie Gewalterfahrung, Magersucht und anderem.
Außerdem haben wir auch ein Box-Projekt in einem Brennpunkt erfahren. Ähnliches kennen wir auch bereits aus Deutschland. Das Angebot hat sich an Jugendliche aller Religionen gerichtet. Nach dem gemeinsamen Training haben die Jugendlichen auf freiwilliger Basis miteinander noch ein Gebet gesprochen. Hier stand einfach die Frage im Vordergrund, wie man auseinander geht.
Das Besondere an allen Projekten ist: Sie schauen auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Ein Ausbilder der CMS hat das mit dem Bild eines Pioniers mit einem Koffers erklärt: Der geht ja nicht mit einem vollen Koffer irgendwohin und präsentiert dann einfach den Inhalt. Es ist anders. Er kommt eigentlich mit einem leeren Koffer, hört zu, schaut, was das für Menschen sind und ist ihnen nahe. Erst dann entwickelt er etwas. Wir können nicht etwas, das irgendwo gut funktioniert haben mag, einfach so an einem anderen Ort mit seinen anderen Begebenheiten kopieren.
21. Oktober - Die Ausbildung im St. Mellitus College in London
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Holger Dörnemann beschreibt Grundzüge des Ausbildungskonzeptes und was ihn daran gefallen hat.
22. Oktober - Katholiken in England - Und wie steht es um die Ökumene?
Wie ist die Situation der katholischen Kirche in England? Gibt es eine ökumenische Zusammenarbeit mit der anglikanischen Kirche? Bei einem Gespräch mit Pfarrer Andreas Blum, Seelsorger der deutschsprachigen Gemeinde St. Bonifatius in London, standen diese Fragen im Mittelpunkt.
„Die Zusammenarbeit mit der anglikanischen Kirche tendiert hier im East End gegen 0“, sagt Andreas Blum. Zwar gibt es in anderen Stadtteilen Londons eine Zusammenarbeit von katholischen und anglikanischen Christen. Und natürlich gebe es auch in den Kirchen Ökumenebeauftragte. Dennoch würde Ökumene nicht überall gelebt werden.
Überhaupt hätte es die katholische Kirche in England schwer. Seit etwa zwei Jahren ist der Kölner Pfarrer der deutschsprachigen Gemeinde St. Bonifatius im Stadtteil Whitechapel. Dass die Gräben zwischen Anglikanern und Katholiken zu spüren sind, habe ihn zu Beginn auch irritiert. „Ich bin nach wie vor überrascht, wie groß die Animositäten und die Distanz immer noch ist“, erklärt Blum. Die Ursachen dafür sieht der Geistliche, Pfarrer der einzigen deutschsprachigen Gemeinde im Vereinigten Königreich, in der Geschichte und in negativen Erfahrungen und kritischen Einstellung der Engländer gegenüber Migration. Staat und anglikanische Kirche seien lange Zeit „das Gegenüber“ der katholischen Kirche gewesen. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sei es noch verboten gewesen, an öffentlichen Orten katholische Gottesdienste zu feiern. „Der Katholik war derjenige, der bis vor 200 Jahren von diesem Staat nicht gewollt war.“ Dieses Denken wirke noch nach.
Traditionelle gilt die katholische Kirche nicht als „englische Kirche“, sondern ist vor allem eine multinationale Einwandererkirche. Zuerst seien Iren im Zuge der großen Hungerkatastrophe nach Großbritannien gekommen, später auch Deutsche. Heute gibt es viele Polen mit katholischem Glauben. Nach der Erweiterung der EU 2004 seien viele Osteuropäer nach Großbritannien gekommen.
Die deutschsprachige Gemeinde hat etwa 2.000 registrierte Mitglieder. „Die Gemeinde hat eigentlich eine sehr gesunde Struktur“: Studenten, Expats, junge Familien und Ältere kämen zu Gottesdiensten und Angeboten. Tatsächlich kann der Pfarrer aber nicht genau sagen, wie groß seine Gemeinde wirklich ist. Ein Meldewesen wie in Deutschland gibt es nicht. Eine gesicherte Finanzierung etwa durch eine Kirchensteuer gibt es ebenfalls nicht. Wie erreicht die Gemeinde dann aber Menschen? „Es gibt ein paar Schnittstellen: Die wichtigste ist eine Deutsche Schule“, sagt Blum. Kontakte vermitteln aber auch Onlinegruppen sowie kulturelle Veranstaltungen etwa in der Deutschen Botschaft.
Die Gemeinde ist auf Spenden und Zuwendungen ihrer Mitglieder angewiesen. Das ist aber nicht das einzige Problem: Auch die Distanzen machten es Gemeindemitgliedern schwer: Manche hätten eine Anfahrt von zwei bis drei Stunden. Für einen Gottesdienst allein komme deshalb niemand. Die Gemeinde habe sie darauf aber eingestellt und biete neben dem Gottesdienst auch andere Angebote an einem Sonntag an. „Wir bleiben dann meist bis vier Uhr zusammen.“
Berührungspunkte zu „fresh expressions of church“ hat der Pfarrer bisher noch keine. Zuerst davon erfahren hat er durch Besucher aus Deutschland.
23. Oktober - Der beste Kaffee Londons? Kahaila
Gibt es im Kahaila den besten Kaffee Londons? Wir wissen nur: In dem stilvoll und stimmig eingerichteten Café in der Brick Lane schmeckt er richtig gut! Das Kahaila ist aber nicht nur ein Café, sondern auch eine Kirche. Auf den ersten Blick sieht man das nur nicht, wie unsere Bildergalerie zeigt.

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23. Oktober - Messy Church heißt in Deutschland Kirche kunterbunt
Mehr als 500.000 Menschen jeden Monat besuchen die mehr als 3500 Messy Churches in über 30 Ländern weltweit. Die Messy Church ist seit 2004 eine neue Form von Familienkirche, die Kinder und deren Eltern oder Großeltern gleichermaßen erreichen will. Lucy Moore, Koordinatorin für Messy Churches der Bible Reading Fellowship, stellte der Limburger Kundschaftergruppe das Konzept vor. In Deutschland firmiert die Idee unter dem Namen "Kirche kunterbunt".
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24. Oktober - "The royal parish" and "The church of the ever open doors" - St. Martin in the Fields
"The church of the ever open doors" - diese Vision hatte Caplin Dick Sheppard während des Ersten Weltkriegs von der Kirche St. Martin in the Fields. Noch heute wird im Zentrum Londons direkt am Trafalgar Square dieses offene und alle Menschen willkommenheißendes Kirchesein gelebt. Weltbekannt ist St. Martin in the Fields für seine Kirchenmusik: Mehrere hundert Menschen kommen zu den täglichen Konzert Mittags und Abends. Die Kirche ist aber viel mehr: SIe ist Anlaufpunkt für bedürftige, obdach- und heimatlose Menschen. Darüber hinaus ist sie Treffpunkt für die alle Menschen der Stadt. Willkommen sind Glaubende, Zweifelnde und Suchende aller Religionen. Eine umfangreiche 2008 abgeschlossene Baumaßnahme bietet einen optimalen Rahmen für eine moderne Pastoral. Der Bau war nicht nur ein Zeichen der Erneuerung der Kirche. Er bietet auch alle Möglichkeiten für die Anliegen und Seelsorge des 21. Jahrhunderts, betonte Catherine Duce, Vikarin für Partnerschaftsentwicklung in St. Martin in the Fields. Großzügig und kreativ sein mit seinen Räumlichkeiten - diesen Appell richtet die Geistliche an die Gruppe aus dem Bistum. "If you are creative and generous with your space, beautiful things will happen", sagte Duce. Kontakt und Beziehung zu den Menschen entstehe dann von alleine. Außerdem gelte es, den Reichtum an Talenten und Charismen, die Menschen hätten, zu nutzen. Kirche müsse Menschen Raum in Kirchen geben, damit sie sich entfalten und zum Wohl der Gemeinschaft einbringen könnten.

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24. Oktober - Interview mit Pfarrer Markus Schmidt
Pfarrer Schmidt, Sie haben an einer „informal eucharist“ in St. Martin in the Fields im Zentrum Londons teilgenommen. Wie haben Sie diese Feier wahrgenommen?
Der Gottesdienst hatte den Titel „Brot für die Welt“. Und so habe ich das auch empfunden. Ich fand es sehr eindrucksvoll zum ersten Mal eine Eucharistie zu feiern, der eine Frau vorsteht. Es war sehr authentisch. Die Predigt zum Thema „Maria und Martha“ war super und hatte einen starken Gegenwartsbezug. Der Gottesdienst hat mir einmal mehr den Riss unter den christlichen Kirchen bewusst gemacht: Da spürt man, dass man Abendmahlsgemeinschaft haben könnte, sie aber noch nicht verwirklicht ist.
Der Gottesdienst erinnerte stark an Eucharistiefeier, die wir auch in der katholischen Kirche kennen. Gab es darüber hinaus besondere Elemente?
Also was ich toll fand, aber das verwirklichen wir auch in Gottesdiensten an Werktagen oder mit Jugendlichen, dass wir bei der Wandlung um den Altar standen. Das war ein beeindruckendes Zeichen. Verwundert hat mich aber, dass wir mittendrin das „Vater unser“ beteten. Einige Elemente, die mir seit 50 Jahren vertraut sind, habe ich vermisst. Anderes neues fand ich sehr ansprechend und bedenkenswert, wie zum Beispiel die veränderten Einsetzungsworte oder die Einführung zu Beginn von einer Frau und einem Mann. Beide haben nochmals deutlich gemacht, was jetzt Liturgie und Abendmahl ist für uns heute daran wichtig und zentral ist.
Am Vormittag hat eine anglikanische Pfarrerin der Limburger Gruppe das Konzept und die Arbeit der Pfarrei im Zentrum Londons vorgestellt. Was hat Sie daran angesprochen?
Ganz eindeutig: Wir überlegen uns immer „Was machen wir für“. Die Pastorin hat heute deutlich gemacht: „Wir müssen es mit den Menschen machen und etwas entwickeln, von dem wir vielleicht noch gar nichts wissen.“ Es gilt dabei auf die Ressourcen zu schauen, die wir haben. Wer ist bereits bei uns? Wie sieht unser Gebäude aus? Welche Leute kommen zu uns und was können wir mit ihnen zusammen machen? Die Arbeit von St. Martin in the Fields ist wie das Ensemble sehr vielseitig. Es war toll, heute Mittag in der Krypta essen zu können und anschließend in der Kirche ein Konzert auf allerhöchsten Niveau zu hören. Es gibt hier so viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und alles ist hier Mitten in London unter einem Dach.
Die Pastorin hat dazu ermutigt, Kirche für die Menschen in einer Stadt zu öffnen. Wäre das nicht auch etwas für Ihre Pfarrei in Frankfurt?
Natürlich. Wir erleben hier in London, dass hier den ganzen Tag über ein Kommen und Gehen ist. Da kann man zusammen in der Krypta miteinander essen und vieles mehr. An anderen Orten essen Menschen direkt in den Kirchenbänken miteinander. Wir können davon einiges lernen. Für uns stellen sich aber gleich andere Fragen: Wer macht zum Beispiel sauber? Wer ist dabei und schaut mit? Das ist eine Kirche, die mehr von Ehrenamtlichkeit leben muss.
Während des Gesprächs haben wir auch von einem Joga-Angebot und einem Zumba-Tanzkurs in einer viktorianischen Kirche gehört. Wirkt das nicht erst einmal etwas skurril?
Nein, finde ich überhaupt nicht. Wir haben in Frankfurt in Heilig Kreuz ja auch eine Meditationskirche, wo Meditation und Bogenschießen angeboten wird. Die Kirche ist dort auch umgebaut und leer geräumt. Natürlich ergeben sich bei uns Fragen und Probleme, beispielsweise wie wir in einer solchen Situation mit dem Allerheiligsten umgehen. Wenn es aber in einer Kapelle verwahrt ist, dann könnten wir als Pfarrei durchaus solche Angebote machen. Da müssen dann aber auch andere mitmachen. Ich persönlich kann mir aber nicht vorstellen, einen Zumba oder Joga-Kurs zu leiten. Das ist einfach nicht meins. (lacht)
Markus Schmidt ist Pfarrer von St. Josef Frankfurt-Bornheim.
26. Oktober - Stimmen zum Abschluss
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Teilnehmer der London-Exkursion erzählen, was Ihnen besonders an der Exkursion gefallen hat.